11.02.2014
Von: bo.

„unverpackt” - Müllvermeidungsmagnet startet in Kiel

 

Kiel ist um eine Einzelhandelsrarität reicher. Gegen den allgemeinen Trend der Convenience-Kultur öffnete Anfang Februar „unverpackt”. Der Name ist Programm. Nicht weniger „nachhaltig, lose, gut”, der Slogan der Verkaufsstelle am Rande der Innenstadt.

Wer hier einkauft, bringt sein eigenes Kundenbehältnis mit oder erwirbt es vor Ort. Aus dem klassischen Selbstbedienungskunden wird ein Selbstabfüller von Bonbons, Knabberzeug, Müslis, Getreideflocken, Trockenfrüchten, Tees, Wasch- und Reinigungsmitteln. Ohne Tara läuft da nichts. Ein paar Handgriffe müssen es schon sein, bis das Eigengewicht der Kundenverpackung ermittelt ist, der Kunde die Ware sicher im Kundengefäß untergebracht hat, um am Ende an der Kasse das Personal alles zusammen noch einmal wiegen, den Tarawert dabei verrechnen und den Endpreis ermitteln zu lassen. Für verwöhnte Supermarktkunden klingt es kompliziert. Müllverdrossene bekommen leuchtende Augen. Aber nicht nur die. Allein zuhause und Lust auf Popcorn heute? Kein Problem. Bei „unverpackt“ die mitgebrachte Verpackung einfach bedarfsgerecht füllen lassen, so dass am Ende des Tages keine unnötigen Reste übrig bleiben, die nach langer Aufbewahrung doch nur entsorgt werden. Keine Reste, keine Lebensmittelverschwendung!

Die Nachhaltigkeitsperspektiven und - ansprüche des Unternehmens reichen weiter als bis zur nächsten Mülltonne: Zum Sortiment gehören Produkte aus der Region für den Klimaschutz, Produkte aus Übersee mit sozialer und ökologischer Verantwortung statt Raubbau, Kinderarbeit und Hungerlöhne. Der Kunde soll alles über die Ware erfahren außer der Marge.

Impulse für eine neue Ernährungskultur fehlen nicht: Dem Selbstabfüller am Regal sollen auch weniger bekannte oder im Haushalt seltener verarbeitete Getreidesorten oder Nahrungsmittel wie Quionoa, Buchweizen oder Couscous näher gebracht werden.

Hinter all dem steht eine Frau, eine Fränzösin aus dem südfranzösischen Toulouse, die mit ihrer Familie seit zwölf Jahren in Deutschland und seit vier Jahren in Kiel lebt. Nicht nur ihre eigene Erfahrung mit dem Wohlstandsmüll in ihrer fünfköpfigen Familie, auch das Buch einer in die USA ausgewanderten Französin, die mit ihrer Familie ihren Haushaltsmüll für drei Jahre konsequent eingespart hat, sowie realisierte Geschäftskonzepte mit dem Verkauf loser Ware diesseits und jenseits des Atlantiks haben in ihr die Geschäftsidee für „unverpackt” in den letzten Jahren reifen lassen. Jetzt probt sie als Existenzgründerin die Müllvermeidung in Familie und Beruf. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Erfrischend anders die Einkaufskultur - nicht nur dank Naturfarbenanstrich an den Wänden.

www.unverpackt-kiel.de 

 


 
 
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