Infos zum Energie-Audit

Mehr betroffene Unternehmen als vermutet - prüfen Sie, ob Sie auditpflichtig sind.

Rechtsgrundlage

Die Verpflichtung zum Energie-Audit beruht auf der Anpassung des nationalen Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G) an europarechtliche Vorgaben der Energieeffizienzrichtlinie, die die EU-Mitgliedsstaaten verpflichten, in ihren nationalen Rechtsnormen obligatorische Energieaudits zu verankern. Die Veröffentlichung des novellierten Energienstleistungesetzes erfolgte am 21. April 2015 im Bundesgesetzblatt. Ein amtliches Merkblatt des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zu weiteren Details der rechtskonformen Umsetzung wurde am 13. Mai 2015 veröffentlicht.

Die Pflichten zur Durchführung eines Energieaudits betreffen alle Unternehmen, die weder ein Kleinstunternehmen noch ein kleines noch ein mittleres Unternehmen (KMU) im Sinne der Empfehlung 2003/361/EG der EU-Kommission vom 6. Mai 2003 sind (s. unten Ziffer 2.).

Erstmals bis zum 5. Dezember 2015 muss ein Energieaudit durchgeführt und gerechnet vom Zeitpunkt des ersten Audits mindestens alle vier Jahre wiederholt werden.

Betroffen sind mehr Unternehmen als im ersten Augenblick vermutet (s. unten Ziffer 3.)

  1. Unternehmensbegriff im Sinne der Empfehlung 2003/361/EG der EU-Kommission vom 6. Mai 2003

    „Als Unternehmen gilt jede Einheit, unabhängig von ihrer Rechtsform, die eine wirtschaftliche Tätigkeit ausübt. Dazu gehören insbesondere auch jene Einheiten, die eine handwerkliche Tätigkeit oder andere Tätigkeiten als Einpersonen- oder Familienbetriebe ausüben, sowie Personengesellschaften oder Vereinigungen, die regelmäßig einer wirtschaftlichen Tätigkeit nachgehen.”

    aus: Anhang, Titel 1, Artikel 1

    Erläuterung „wirtschaftliche Tätigkeit” (nach EuGH):

    „jede Tätigkeit, die darin besteht, Güter oder Dienstleistungen auf einem bestimmten Markt anzubieten”

  2. KMU-Definition

    • weniger als 250 Mitarbeiter und
    • Jahresumsatz max. 50 Mio. EUR oder Jahresbilanzsumme max. 43 Mio. EUR.


    KMU-Definition gemäß Anhang, Titel 1, Artikel 2 der Empfehlung der EU-Kommission vom 6.5.2003:

    „Die Größenklasse der Kleinstunternehmen sowie der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) setzt sich aus Unternehmen zusammen, die weniger als 250 Personen beschäftigen und die entweder einen Jahresumsatz von höchstens 50 Mio. EUR erzielen oder deren Jahresbilanzsumme sich auf höchstens 43 Mio. EUR beläuft.”

  3. Kriterien für Einstufung als Nicht-KMU-Unternehmen (Nicht-KMU) /
    Auditpflichtiges Unternehmen

    • mindestens 250 Mitarbeiter oder
    • Jahresumsatz über 50 Mio. EUR und Jahresbilanzsumme über 43 Mio. EUR.


    Berechnung:

    • Zurechnung Kennzahlen von Partner- / verbundenen Unternehmen
    • Letzter Rechnungsabschluss / ggf. konsolidierter Jahresabschluss
    • Umsatz: ohne MWSt und sonstiger indirekter Steuern / Abgaben
    • Mitarbeiterzahl = Jahresarbeitseinheiten

      • Gehaltsempfänger, mitarbeitende Eigentümer und Teilhaber, Teilzeitbeschäftigte anteilig
      • Nicht: Auszubildende, Mutter- / Elternurlaub.


    Beteiligungen

    Beachten Sie: Es können auch Unternehmen, die eigentlich ein KMU sind, als Nicht-KMU eingeordnet werden, wenn sie mit anderen Unternehmen verbunden sind oder ein Partnerunternehmen eines anderen Unternehmens sind.

    Bei Beteiligungen müssen Definitionskriterien addiert werden:

    • Verbundenes Unternehmen” (Beteiligung > 50%, bzw. bei beherrschendem Einfluss auf das Unternehmen):

      • 100% Anrechnung der Kennzahlen.

      • Kennzahlen aller vor- bzw. nachgelagerter Unternehmen sind zu summieren

    • Partnerunternehmen” (Beteiligung > 25% ≤ 50%):

      • Anrechnung der Werte proportional zum Anteil der Beteiligung

      • Nur Kennzahlen von unmittelbar vor- oder nachgeschalteten Unternehmen sind zu summieren.

  4. Befreiung von der Audit-Pflicht

    Unternehmen sind von der Audit-Pflicht nach EDL-G freigestellt, wenn sie zum jeweils maßgeblichen Zeitpunkt

    • ein Energiemanagementsystem nach der DIN EN ISO 50001 oder

    • ein Umweltmanagementsystem im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates (EMAS)

    eingerichtet haben.

  5. Kontrollen

    Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ist verpflichtet, Stichprobenkontrollen zur Durchführung der Energieaudits vorzunehmen. Hierzu werden betroffene Unternehmen aufgefordert, im Rahmen einer bestimmten Frist einen Nachweis zu erbringen, dass diese ein Energieaudit durchgeführt haben oder von dieser Pflicht freigestellt sind.

    Werden Unternehmen zum Nachweis aufgefordert, die ein KMU sind, so haben diese nach derzeitigem Stand eine Selbsterklärung abzugeben, dass sie nicht von der Verpflichtung zur Durchführung eines Energieaudits betroffen sind.

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